Begriffliches: „Beobachten“

Der Begriff der Beobachtung spielt neben dem der Kommunikation(-ssysteme) in der Systemtheorie eine zentrale Rolle:

Beobachtung ist eine Operation von psychischen und sozialen Systemen; es ist  die Operation der Unterscheidung. Anhand von Differenzschemata werden Informationen erzeugt, wobei Erwartungen des Beobachters erfüllt oder nicht erfüllt werden. Jede Beobachtung setzt eine Unterscheidung voraus, die sich selbst nicht mehr mit der gleichen Unterscheidung noch einmal beobachten kann.   ist z. B. hinsichtlich des “Sehens” gekoppelt an einen nur eingeschränkten Bereich des Lichts. Es kann damit wahrnehmen; aber nicht so wahrnehmen, daß es gleichsam wahrnimmt, daß es nicht “alles” wahrnimmt. Um die Unterscheidung, die benutzt wurde, beobachten zu können, muß sie bezeichnet werden, und eben das setzt eine andere Unterscheidung voraus, in deren Rahmen die erste Unterscheidung von anderen Unterscheidungen unterschieden wird.Beobachtungaktualisiert, indem sie bezeichnet, Unterscheidungen, die Realität erzeugen.

In der Systemtheorie spielt die Möglichkeit über Beobachtungen Unterscheidungen zu bemerken eine ebenso wichtige Rolle, wie die Unterscheidung, dass nicht alles was beobachtet werden kann, auch („gleichzeitig“) kommuniziert werden kann. Damit ist der Prozess der Beobachtung immer auch in den Prozess der Kommunikation eingebunden. Die Darstellung von Beobachtungen folgt dann dem Kommunikationsbegriff nach Luhmann und seinen drei Selektionskriterien (Information – Mitteilung –  Verstehen).

Diese Begrifflichkeiten erscheinen vielleicht pedentisch oder trivial, wichtig ist aber Ziel der Systemtheorie Beobachtungsmuster und Theorien im gesellschaftlichen Kontext beschreibbar zu machen. Hier ist immer wichtig, dass soziale Ordnung und die Art, wie Unterscheidungen getroffen werden höchst subjektiv sein können (etwa:“das halbleere oder halbvolle Glas“). Die soziale Komplexität und die „Möglichkeit, dass es anders sein könnte“ prägen nach Luhmann das Entscheiden in modernen Gesellschaften. Aus dieser Perspektive heraus können überhaupt erst Systeme geschaffen werden, die „Einfachheit suggerieren“. Diese Systeme oder Zurechnungen können dann auch wieder durch das Instrumentarium der Systemtheorie beschrieben werden, wie etwa Steuerungsmechanismen im Straßenverkehr, die auf Beobachtung fußen, aber sobald gesagt wird „Die Ampel ist grün!“ sehr unterschiedlich verstanden werden können.

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