Ist Glück (politisch) messbar?

Die Glücksökonomie ist ein junger, schnell wachsender, wirtschaftswissenschaftlicher Forschungszweig. Ziel ist es neben materiellen Wohlstandsindizes individuelle „Zufriedenheitskriterien“ zu beobachten und nachvollziehbar zu messen. Politischen Entscheidernstehen somit noch mehr Benchmarks zur Verfügung, die den Trend zu Indizes mit Nachhaltigkeitskriterien und sozialen Aspekten stärken. Ob diese Ergebnisse Einfluss auf die Politik haben können, muss bezweifelt werden, schließlich orientieren sich politische Systeme am Machterhalt und damit nur am Glück der eigenen Anhängerschaft, besonders kurz vor wichtigen Wahlen. Politik muss aber immer versuchen eigene Öffentlichkeiten zu schaffen, um die potentielle Wählerschaft erreichen zu können.

Aus gesellschaftlicher Sicht steigern neue Kommunikationsmedien die Chancen zu mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben. Soziale Kontakte werden durch die Glücksforschung als essentielles Kriterium für Zufriedenheit beschrieben. Altruistisches Verhalten, wie ein „gefällt mir“ oder „+1“ können dieses „Glück“ in der digitalen Welt steigern. Allerdings wird die interpersonale Kommunikation und direkte „Geschenke“ als wesentlich „glücklich machender“ eingeschätzt, als Aktionen in digitalen Netzwerken.

Neben der Erkenntnis, dass mediale Differenzierung individuelle Entscheidungen des Mediennutzers erleichtern und damit Handlungsfreiheiten schafft ist die Glücksforschung für die Wirtschaftswissenschaft selbst ein interessanter „re-entry“. Als Re-entry wird in der Systemtheorie eine Unterscheidung bezeichnet, die in ein kommunikatives System (hier das Wirtschaftssystem – das nach Zahlung/Nichtzahlung kodiert ist) eingeführt wird, sich aber nicht nach der Leitunterscheidung einordnen lässt – also das System „irritiert“).  Sie muss den theoretischen Gegensatz erklären, dass Glück durch das Teilen von Gütern erhöht wird, dies sieht der Homo oeconomicus als individueller Nutzen-maximierer aber nicht vor. Somit stehen sich Glück und individueller Nutzen in der Wirtschaftswissenschaft scheinbar entgegen. Ein „Messproblem“, dessen Lösung auch neue Einsichten für die Politik generieren kann.

Hier zwei Berichte des Handelsblatt und der TAZ zu Glücksstudien.

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