Interdisziplinarität und Staatlichkeit

Die Erforschung des (National-)Staates wird immer mehr als interdisziplinäre Aufgabe verstanden. Neue Kommunikationsmedien und Vergemeinschaftungsprozesse, wie die Europäisierung, sorgen für eine Forschungsagenda, die nicht allein durch die Rechtswissenschaften oder die Politikwissenschaften abgedeckt werden kann.

Der Begriff von Governance, dem Steuern von öffentlichen Prozessen durch staatliche Institutionen sowie Studienangebote, wie die Staatswissenschaften, schaffen neue Perspektiven im Bereich der akademischen Lehre auf die Komplexität staatlichen Handelns.

Beim dritten Alumnitreffen vom 12.-14. Oktober 2012 in Erfurt wurde über die Rolle von Lehre und Forschung debattiert. Seit 10 Jahren erforscht die staatswissenschaftliche Fakultät sozialwissenschaftliche, rechtliche und ökonomische Aspekte moderner Staatlichkeit. Für die Studierenden gibt es außerdem die Möglichkeit weitere Studienangebote (z.B.:Kommunikationswissenschaften oder Geschichte) mit den „Staatswissenschaften“ zu kombinieren.

Moderne Staatlichkeit umfasst moderne Kommunikationswege, wie mobile Applikationen und Internetangebote, wie bund.de . Regionale Vernetzung und internationale Beziehungen sind weitere Aspekte staatlicher Vernetzung, die zeigen, wie bedeutsam Kommunikation für staatliches Handeln ist. Monolitisches staatliches Handeln ist die Ausnahme. Hier können Staatswissenschaftler ihre Methodenkenntnisse einbringen und komplexe politische Systeme „beschreibbar“ machen.

In Nordafrika sorgen soziale Onlinenetzwerke für den Sturz von Diktaturen. Demokratische Botschaften verbreiten sich über neue Wege. Auch die Frage des Türkeibeitritts in die EU wird stark in den Massenmedien diskutiert. Ohne diese Debatten könnten „Staatlichkeitsbilder“ und die EU als „sui generis“ (Gebilde eigener Art) kaum entstehen können. Cultural Diplomacy ist hier ein Stichwort, das massenmediale Zerrbilder auf persönlicher Ebene wieder gerade zu rücken. Push- oder Pull-Kommunikation verschiedener Stakeholder greift ebenfalls in das Entstehen öffentlicher Meinung ein.

Die Ausbildung zielt darauf ab multiperspektivische Methoden zu erlernen und modernes Staatsmanagement zu vermitteln. Die spätere Forschung in dem Bereich ist damit nicht das Hauptziel des Studienangebots in Erfurt, viele Alumni wünschen sich hier mehr Möglichkeiten staatswissenschaftlich zu forschen.

Fraglich ist, wie die neuen interdisziplinär ausgebildeten Wissenschaftler selbst erfolgreich weiterforschen sollen. Juristische oder ökonomische Professuren stehen den interdisziplinär ausgebildeten Forscherinnen und Forschern meist nicht offen.

Fazit: Die Komplexität moderner Staatlichkeit braucht interdisziplinäre Lehrangebote. Erst das sich bildende Netz von Professuren macht Staatswissenschaften möglich. Gleichzeitig bleibt aber das Problem, dass die forschenden Professorinnen und Professoren selbst keine interdisziplinäre Ausrichtung haben. 

http://www.staatswissenschaften.de
http://www.alumni-staatswissenschaften.de/
http://www.degruyter.com/viewbooktoc/product/183434

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s