Jeder Einzelne entscheidet… jeden Tag.

Altmaier twittert, ein Doktortitel kann „geguttenbergt“ werden und der ehemalige Bundespräsident hat dem Chefredakteur der BILD-Zeitung auf die Mailbox „gewufft“. Die Art und Weise, wie sich Politik heute vermittelt, kennt viele neue Verbreitungsmedien. Das Verhalten von Politikern wird Teil des Sprachgebrauchs. Globalisierung und mediale Vernetzung prägen moderne Gesellschaften.

Der Prozess des Politischen, der Kampf um Macht und Wählergunst hingegen ist so alt, wie gesellschaftliche Herrschaft selbst. Neue Arenen, neue Öffentlichkeiten und neue Formen politischen Handelns und Entscheidens entspringen dieser „Zweckehe“. Politische Kommunikation ist eine junge Wissenschaftsdiziplin. Es sind die vielen Facetten der Koppelung von Medien und Politik, die Antworten von der Wissenschaft verlangen. Dieser Artikel stellt Aspekte politischer Kommunikation vor.

Was macht Kommunikation politisch?

Der Einstieg in das junge Forschungsfeld der politischen Kommunikation wirft viele spannende Fragen auf. Was Kommunikation politisch macht ist im Allgemeinen kaum zu beantworten. Kommunikation und Politik beschreiben gesellschaftliche Phänomene. Ihre Beschreibungen unterliegen zeitlichen Veränderungen.

Kommunikation als Grundlage von Politik

Kommunikation (lateinisch communicare) umfasst den sozialen Prozess von Mitteilen und Verstehen gegenseitiger Botschaften. Diese Vernetzung zwischen Menschen ist konstitutiv für gesellschaftliche Strukturen. Dieser Prozess des gegenseitigen Mitteilens und (Miss-) Verstehens eine Gemeinschaft (lateinisch communio) entstehen lässt. Politische Kommunikation setzt auf dieser Basis auf und beschreibt Kommunikationsakte, die der Funktion dienen, Einfluss auf Strukturen zu erzeugen sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen zu erreichen. Politische Kommunikation ist eine viele Funktionen gesellschaftlicher „Kommunikationen“, die sich in modernen Mediengesellschaften ausgebildet haben.

Von der Erfindung der Demokratie bis zu diktatorischen Regimen

Politische Kommunikation hat eine lange Geschichte. Die attische Demokratie bildete in der Zeit ihres Bestehens von 462/61 vor Christus und ihrem Ende 322 v. Chr. die Volksversammlung und verschiedene Gerichtsformen aus, in der Herrschaft die Mitentscheidung der Einzelnen. Wahlen und Mandate prägten Vorstellungen von Partizipation und der Herrschaft des Volkes die bis heute Ideale demokratischer Systeme darstellen. Ein großer Teil der Forschung zu politischer Kommunikation umfasst demokratiewissenschaftliche Forschung. Weitere Herrschaftsformen, wie Tyrannei und Diktaturen, nutzten und nutzen Medien um durch Drohungen und Gewalt gegen Oppositionen ihre Machtansprüche zu sichern. Propaganda und Unterdrückung der Meinungsfreiheit prägen diese politischen Systeme.

Medienwandel und neue Formen politischer Kommunikation

Seit der Antike haben viele mediale Innovationen die Verbreitung von Information sowie die Interaktion zwischen Mediennutzern wesentlich einfacher, kostengünstiger, schneller und weitreichender gemacht. Die Erfindung des Buchdrucks, der Telegraphie, der Telefonie, des Fernsehens sowie der elektronische Datenverarbeitung haben neue Kanäle zur Vermittlung politischer Botschaften geschaffen. Die Vernetzung dieser Medien in Internetangeboten haben neue „Öffentlichkeiten“ ermöglicht, die im antiken Athen nie denkbar gewesen wären. Mediennutzer lernen heute scheinbar selbstverständlich mit diesen Medien umzugehen. Sie durchsuchen diese mit eigenen Suchbegriffen und Suchstrategien, wählen zwischen verschiedenen Fernsehsendern, lesen Zeitungen und Bücher, die ihr Interesse erregen.

Neue Informationsmöglichkeiten – und die alte Politik?

Parlamente und Versammlungen als Orte politischer Debatten stehen heute neben einer Vielzahl von digitalen Vernetzungsangeboten. Für Parteien und Politiker stellt sich heute zunehmend die Frage, wie die wahlberechtigte Bevölkerung effizient mit eigenen Botschaften erreicht werden kann. Faktisch konkurrieren politische Botschaften heute mit verschiedenen Unterhaltungsangeboten und weiteren Angeboten um die Aufmerksamkeit der Mediennutzer. Dass ein Politiker Twitter offensiv nutzt wird da schon zu einer politischen Nachricht, auch wenn dies nichts über seine politischen Ziele aussagt.

Über die Erregung politischer Aufmerksamkeit…

Politik muss in der Mediengesellschaft Aufmerksamkeit erregen um ins Bewusstsein von Wählern zu gelangen. Politik, als Kommunikationsprozess in dem gesellschaftlich bindende Entscheidungen erarbeitet werden, steht selten im Zentrum moderner Verbreitungsmedien. Dabei könnte die Vernetzung von Wählern, etwa über das Internet, neue Möglichkeiten bieten gesellschaftliche Entscheidungen zu treffen. Das Interesse an gesellschaftlichen Fragen konkurriert mit Unterhaltungsmedien und Freizeitgestaltung des Einzelnen. Das teilweise negative Bild von Politikern in der Öffentlichkeit scheint auf politische Partizipation „abzufärben“, dabei ist politische Teilhabe eine win-win-Situation für offene Gesellschaften. Sie nützt der Umsetzung eigener Interessen und der Demokratie, die vom Engagement ihrer Bürger lebt.

Herausforderungen durch die Realität der Massenmedien

Politische Kommunikation ist heute kaum ohne Verbreitungsmedien bar: „Was wir von der Gesellschaft und ihrer Welt wissen, wissen wir fast ausschließlich durch die Massenmedien“ (; Realität der Massenmedien; Niklas Luhmann). Der „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (Jürgen Habermas) hat dabei immer neue Formen politischer Kommunikation hervorgebracht. Die Schaffung immer spezifischerer Medien- und Werbeangebote stellt Konsumentscheidungen neben neben Formen politischer Teilhabe und Wahlentscheidungen. Mediennutzer müssen heute entscheiden, ob Sie im Internet spielen, mit Freunden ihre Freizeit planen oder sich zu politischen Fragen informieren.

Moderne Mediennutzung und (digitale) Politikbeteiligung

Moderne Mediengesellschaften bieten eine Fülle von Informationen und Verbreitungsmedien. Der „Druck“ moderne Medien kompetent nutzen zu müssen, beruflich erreichbar zu sein, kann im Arbeitsleben zu Stress und Überlastung führen. Täglich entscheiden wir, wie wir uns informieren und Inhalte recherchieren. Die neuen Möglichkeiten des „mündigen“ Mediennutzers lassen daher auch den Druck steigen, das neue Angebot kompetent zu nutzen. Eine der wichtigsten Fragen ist sicher: „welche Ziele verfolge ich als Nutzer in Medien selbst?“ und nicht, welche Reaktionen werden in Emails und soziale Netzwerken von uns verlangt.

Buchempfehlungen zum Artikel:

Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft: Eine Einführung; Otfried Jarren, Patrick Donges; VS Verlag für Sozialwissenschaften; 3. Auflage; 2011; ISBN: 3531174371

Politische Kommunikation: Theoretische Ansätze und Ergebnisse empirischer Forschung; Winfried Schulz; VS Verlag für Sozialwissenschaften; 3. Auflage; 2011; ISBN: 3531172220

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s