Eine Moral in politischer Kommunikation?

Politische Kommunikation umfasst in der Systemtheorie gesellschaftlliche Machtbedingungen innerhalb des sich daraus herausbildenden Kommunikationssystems. Ziel einer jeden Regierung und Opposition in demokratischen Gesellschaften ist die eigene (Wieder-)Wahl sicher zu stellen. Im medialen Spiegel öffentlicher Wahrnehmung und tatsächlicher Wahlergebnisse positionieren sich die jeweiligen Akteure über ihre Kommunikationskanäle gegenüber dem Wähler, verbreiten Wahlkampfkampagnen und treten in (persönlich) Dialog mit Parteifreunden, Wählern und Medienvertretern.

Macht und Moral?
Diese Perspektive beschreibt ausschließlich die Funktion von politischer Kommunikation, derer sich auch die Akteure „bedienen“, wenn Sie in diesem Feld „unterwegs“ sind. Es geht um Macht. Für eine übergreifende Ethik oder Moral scheint kaum Platz zu sein, schließlich müsste eine übergreifende Ethik oder Moral eine ähnliche funktionale Beschreibung erhalten, wie die politische Kommunikation oder ein anderes Funktionssystem (etwa die Wirtschaft, die über Zahlungen kommuniziert).

Ist Moral ein (sich selbst erhaltendes) soziales Kommunikationssystem?
Im Kern liegt die Antwort auf diese Frage in der Funktion, welche man gesellschaftlicher Moral zuweist. Moralische Kommunikation unterscheidet „Gut“ und „Schlecht“ innerhalb gesellschaftlicher Kommunikation. Die Schwierigkeit besteht nun darin, dass moralische Kommunikation schlicht in wirtschaftlichen, politischen, religiösen Systemen gefunden werden kann. Der Kern von „moralischem Entscheiden“ liegt also scheinbar hinter der Frage nach Macht- Geld oder Gott. Im weitesten Sinne wären diese Koppelungen in all jene moralischen Entscheidungen in sozialen Systemen, die Summe gesellschaftlicher Moral.

Gesellschaftliche Komplexität und moralisches „Richtig und Falsch“
Wie die Konstruktion moralischer Kommunikation zeigt, ist dockt sie an Entscheidungen in gesellschaftlichen Funktionssystemen erst an. Historisch könnte man argumentieren, dass eine moralische Kommunikation enge Entwicklungslinien mit transzendentaler (religiöser) Kommunikation hat. Dies bedeutete, dass die Entscheider über Himmel und Hölle innerhalb der Kirche auch die Moral der Gesellschaft vorzugeben versuchten.

Nebeneinander nicht übereinander
Wie bereits geschrieben, ist die heutige gesellschaftliche Komplexität geprägt von einem nebeneinander sozialer Systeme und ihrer Entscheidungsstrukturen. Eine Hierarchie nach Anleitung eines gesellschaftlichen Moralsystems ist kaum denkbar; wie solle diese „Kontrolle“ sich gesellschaftlich durchsetzen lassen?

Die Gefahr gesellschaftlicher Moralisierung
Moral ist entgegen vieler Vorstellungen nicht immer ein friedlicher Diskurs. Da über die Achtung gesellschaftlicher Gruppen durchaus mit entschieden wird, ist immer auch ein Risiko gegeben, dass eine Seite der moralischen Akteure versucht mit noch stärkerem Machteinsatz die eigene Position durchzusetzen. Es gibt sozusagen „kein Ganzes“ der Moral, da sich die Unterscheidung Gut / Schlecht immer auch gesellschaftliche Gruppen beschreiben kann. In der politischen Kommunikation hingegen sind die Unterscheidung Regierung / Opposition sehr häufig mit der Idee des friedlichen Parlamentarismus verknüpft. So dass dort jede (demokratische) Meinung im politischen Kommunikationsspektrum verortet werden kann und auch entsprechende Anschlussfähigkeit erwarten lässt. Der politische gesellschaftliche Konsens stellt moralisch richtige oder falsche Entscheidungen steht nicht zur Debatte. Die Suche nach Unterstützern und demokratische Wahlergebnisse sind hier die gesellschaftlichen Gradmesser, nicht die Macht desjenigen, der zwischen Richtig und Falsch unterscheidet, überflüssig macht.

Video zu Luhmanns Vorstellung zu gesellschaftlicher Moral
http://www.youtube.com/watch?v=YoxxxTMK020

 

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s