Im Handwerk der Unfreiheit surfen?

Wir nutzen es jeden Tag: das Internet, im Smartphone, am Netbook oder klassisch am PC. Unser Informationsbedürfnis, der Kontakt mit Freunden und Bekannten sowie wirtschaftliche Aktivitäten machen das Internet für uns unverzichtbar. Doch können wir uns „trotz Snowden“ noch frei im Netz bewegen? Wahrscheinlich ist die Frage falsch gestellt: Waren wir jemals frei im Internet? Eine kommunikationstheoretische Bestandsaufnahme.

Wir leben mit dem Internet und lassen uns beobachten…fühlen wir uns trotzdem frei?
Natürlich könnte jeder Internetnutzer ein Terrorist sein, das hat der Terrorismus als Kommmunikationsstrategie so an sich. Er nutzt parasitär die gegebenen Kommunikationswege moderner Gesellschaften um innerhalb eigener Netzwerke agieren zu können. Im Hase- und Igel-Rennen mit Geheimdiensten und Sicherheitsunternehmen kann alles verdächtig sein. Prism und XKeyscore zeigen, wie weit das Kopieren und Verarbeiten von Internetdaten geht. Zwei Aspekte sind seit Snowden neu: 1. dass Geheimdienste wirklich in der Lage sind Metadaten zum weltweiten Internetdatenverkehr zu erzeugen und 2. dass diese Metadaten scheinbar auch einzelne Internetnutzer genau identifizierbar machen. Dieses Handwerk der Unfreiheit existiert nicht erst seit Edward Snowden, aber seit seinen Enthüllungen ist eigentlich kein Internetnutzer mehr in der Lage sich in Internet frei zu fühlen. Stattdessen sollten Daten und Kennwörter verschlüsselt abgelegt und Anonymisierungsdienste genutzt werden. Es wird zum Handwerk, die eigene Freiheit im Internet „wiederzubeleben“.

Freiheit und Anonymität in Internet
Mit wie viel Unfreiheit lässt sich leben? Scheinbar mit sehr viel. Aber wir brauchen das Internet für alltägliche Bedürfnisse. Ob unsere Daten und Profile relevant werden, darüber entscheiden andere. Sinnstiftung aus all den täglichen Daten wollen Geheimdienste erzeugen, und ihre Arbeit lässt sich scheinbar durch die desinformierte Politik kaum kontrollieren. Ein weiteres Handwerk der Unfreiheit. Geheimdienste erzeugen Daten und Kommunikation um ihr eigenes soziales System zu stabilisieren. Andere soziale Systeme handeln ähnlich selbstbezogen. Damit bleibt die Unfreiheit im Internet bestehen.

Mobiler, schneller, sinnhafter, überwachter: wie kann das Internet „verstanden“ werden?
Das Internet hat eine enorme Entwicklung mit mobilen Diensten und Geräten hinter sich und geht weiter voran. Informationen werden spezifischer aufbereitet, Profilinformationen sinnhaft verknüpft und Konsumvorschläge für potentielle Käufer meist noch besser präsentiert. Der Internetnutzer fühlt sich im „Mittelpunkt“ seine Angaben und Wünsche stehen scheinbar im Mittelpunkt aller Informationsbereitstellung. Sicherlich bleibt dem Nutzer die Problematik des „information overload“ häufig nicht erspart. Der moderne Nutzer muss relevantes herausfiltern, aus dem „Datenberg Internet“. Sinn stiften kann nur der Nutzer nicht das Internet. Und Bedrohungen identifizieren und terroristische Netzwerke bekämpfen können Geheimdienste scheinbar auch nur, wenn Sie auf „alle Informationen“ zugreifen können. Das Ergebnis bleibt das „Beobachtet werden“ im Netz.

Nutzerverhalten und Selbstreferenz des Internets
Scheinbar nein. Die Piratenpartei zeigt auf Anonymisierungsparties, wie Daten besser geschützt werden können. Aber wirklich viel Aufmerksamkeit generieren die Parties nicht. Der gemeine Internetnutzer macht weiter wie bisher. Stellt sich immer noch die Frage, wie sich dieses „System Internet“ nun verstehen lässt. Das Internet ist kein soziales System, das ist sicher (auch Chaträume erfüllen die Kriterien eines sozialen Systems nur bedingt), auch wenn seine Daten in Smartphones und zusammen am PC direkt in die Kommunikation von Internetnutzern eingehen. Das Streamen von Filmen und Musik ist scheinbar konstitutiv für das Entstehen vieler soziale Netzwerke. Trotzdem, das Internet ist für Mediennutzer ein Verbreitungsmedium. Spezifische Sucheingaben erzeugen digitale Spuren jedes einzelnen Nutzers. Es gibt keine „sinnhafte Selbstreferenz“ des Mediums Internet. Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern…

Wie das Internet als System verstehen
Scheinbar gibt es seit den Enthüllungen rund um Edward Snowden eine „neue“ Hierarchie im „anarchisch geglaubten“ Internet. Der Einfluss von Geheimdiensten scheint unterschätzt worden zu sein. Die Mittel mit denen Terroristen im Internet durch Geheimdienste gejagt werden schafft in jedem Fall bei Jägern und Gejagten neues „Rollenverhalten“. Der Anspruch der Geheimdienste „Sicherheit“ zu erzeugen, stellt die Struktur des Internets auf neue Füße.

Was macht dies alles nun aus dem „früher so freien“ Internet.
Das Internet bleibt ein Verbreitungsmedium und die erzeugten Daten werden als Metadaten ausgewertet und verwendet. Dies kann man als eine autopoetische Funktion von „Sicherheit“ auffassen, die nur gespeist aus Internetdaten möglich sind. Die Sinnhaftigkeit dieser Auswertungen, und der entstehenden „Kontrolle“ liegt im Verborgenen. Das Internet hat damit seine „Unschuld“ verloren. Es gibt keine „fröhliches Nebeneinander her kommunizieren“, neben der Verbreitung steht die Auswertung. Es gibt auf einmal einen „Kontrollanspruch“ der sich realisieren möchte. Ob diese Kontrolle wirklich unter den Bedingungen des komplexen Internets umsetzbar ist, muss sich zeigen. Ob dies ein Handwerk der Unfreiheit ist bleibt offen. Die Problematik Kontrolle in modernen Gesellschaften überhaupt ausüben zu können (,wie die Politik es häufig zu unrecht proklamiert,) kann aber bezweifelt auch im Internet werden.

Das System Geheimdienst kopieren dazu

Einige Links zu früheren Auseinandersetzungen mit der Idee, was das Internet systemisch sei:

http://www.sandbothe.net/42.html
http://www.systemisch-forschen.de/sites/default/files/Texte%20der%20Systemtheorie.pdf
http://www.ruhrbarone.de/niklas-luhmann-%e2%80%9edas-internet-ist-kein-massenmedium%e2%80%9c/

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