Warum es bei Mutter scheinbar immer schmeckt…

Am Wochenende wählen die Bayern ihren neuen Landtag. Ob der „Mutti-Effekt“ von Angela Merkel hier eine Rolle gespielt haben wird, ist bisher kaum abschätzbar. Immerhin hat CSU-Chef Seehofer mit seinen politischen Sonderwünschen immer wieder das „christ-soziale Profil“ geschärft. Trotz vieler politischer Streitigkeiten, besonders mit der FDP, scheint vor der Landtagswahl wieder familiäre Harmonie eingekehrt zu sein. Die CSU liegt vorn in der Wählergunst, ob nun noch angetrieben durch die beliebteste Politikerin Deutschlands scheint dahingestellt.

Wie familiär kann das Verhältnis von Partei und dem Wähler sein?
In Bayern scheinbar sehr! Bayern stellt in Europa einen Sonderfall politischer Stabilität dar. Dabei schlägt die CSU bei Alleingängen, wie dem Betreuungsgeld, immer wieder in die Kerbe einer konservativen Familienpolitik. Dass damit ein Frauenbild einhergeht, das die deutsche Mutter eher zu Hause, als in wirtschaftlichen Führungsebenen sieht wurde in den Medien breit diskutiert. Es ist ein schmaler Grad zwischen Familien- und Frauenpolitik, dass die CSU an ersterem Bild festhält scheint auch in Zukunft sicher zu sein.

Bayern, Hessen und der Bund
Außerhalb von Bayern wurde die Familienpolitik weniger ins Zentrum politischer Debatten gestellt. Für die Wahlen am 22. September ist es schwer Hessen und die Bundestagswahl zu trennen? Bei beiden Wahlen wird wohl der „Merkelbonus“ ausgespielt werden. Es ist zu unterstellen, dass viele Wähler in Hessen politisch nicht zwischen Bund und Land unterscheiden.

Worin besteht der Merkelbonus?
Außerordentlich viele Deutsche sind mit der Person Merkel und ihrer Politik zufrieden. Die Zuschreibungen der Wähler auf die Personen spielen häufig eine wichtigere Rolle, als Sachthemen oder Parteikompetenz. „Die Kanzlerin“ wird von der CDU als gemeinsam gestaltende Politikerin inszeniert, die auf verschiedenen Ebenen durch ihre Bekanntheit Vertrauen erzeugt. Wie es Merkel auch im TV-Duell gegen Peer Steinbrück verlauten lies: „Sie kennen mich.“ Merkel spricht so verschiedene Rollen an, die Sie gleichzeitig gegen über dem Wähler zu erfüllen scheint. Erstens ist sie gouvernemental durch ihre Macht autonom und nutzt diesen Einfluss gleichzeitig wieder um in der Rolle einer „Mutter Deutschlands“ Gemeinsamkeiten zu definieren und „Jeden einzelnen“ zu erreichen. Die Idee einer übergreifenden Gouvernementalität in verschiedenen Sozialsystemen (Familie, Politik, etc) wurde vom französischen Soziologen Foucault ausgearbeitet.

Welche Mutterrolle ist politischer Standard?
Damit liegt in der Semantik der „politischen Mutter Merkel“ ein wichtiger Kern ihres Erfolges. Hier bedient Merkel klar konservative Vorstellungen von Politik ihrer Partei. Es ist die Mutter Merkel die sich kümmert und nicht die egoistische Kanzlerin die Karriere machen will. Auch wenn ihre egoistischen Interessen durchaus von ihr durchgesetzt wurden, etwa in der Entlassung verschiedener Minister/innen in ihrem Kabinett. Im Fazit betont Merkel in der Performanz ihrer Mutterrolle die kümmernde und halt gebende Frau in der Familie. Merkel vereinigt viele Rollen zu ihrer geschlossenen mütterlichen Rhetorik und Gestik. Diesen Vorteil spielt sie aus.

Und die anderen Karrierefrauen?
Das moderne Bild von selbstständigen Karrierefrauen wird dagegen in den Hintergrund gedrängt. Familie ist bei der Mutter Merkel zentral, die Freiheit von Frauen in der deutschen Familie wird faktisch durch Betreuungsprämie und die schlechte Versorgung von Kinderkrippen nachhaltig behindert. Deutschland pflegt hier einen Mythos der Mütterlichkeit, der die einzelne Frau stark einspannt. Nationen, wie Frankreich nehmen hier den Staat aus „Vater“ der Kinder mehr in die Pflicht. Am 22. September sehen wir, ob die Mutterrolle sich auszahlt. Es sieht nicht so aus, als wären andere Lager bereit, das Rennen für beendet zu erklären. Es geht auch um Inhalte, selbst wenn es bei Mutter (Merkel) scheinbar immer schmeckt.

Links:

http://www.sfb-governance.de/programm/glossar/gouvernementalitaet.html
http://www.perlentaucher.de/buch/barbara-vinken/die-deutsche-mutter.html

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