pK 2014 – Ein Ausblick in die politische Kommunikation des nächsten Jahres

Im Jahr 2014 wird nicht nur das 500 Millionste iPhone verkauft; auch die Politik wird versuchen über verschiedene Medien „die Masse“ für Ihre Ziele zu gewinnen:

1.) Ausdifferenzierung von massenmedialen Angeboten und die Rolle des Sports
2.) Mehr politische Inhalte in sozialen Medien und wenig Dialog
3.) Politiker wissen nicht mehr alles und gewinnen Glaubwürdigkeit
4.) Die NSA weiß viel und lernt schneller als die Politik
5.) Neue Rahmenbedingungen politischer Öffentlichkeit

1.) Ausdifferenzierung von massenmedialen Angeboten und die Rolle des Sports
Auch im Jahr 2014 ist der Niedergang von „Familienfernsehen“ à la Wetten Dass…?! sehr wahrscheinlich. Die verschiedenen Medienprofile der Familienmitglieder lassen sich, egal, ob nun Lanz oder Gottschalk das Publikum begrüßen, kaum unter einen Hut bringen. Durch die weitere Vernetzung von Internetangeboten mit dem heimischen Fernsehen, werden die Fernsehgewohnheiten immer individueller. Im Jahr 2014 wird es möglich sein, sich so sehr über politische Inhalte zu informieren, wie je zuvor; allerdings bleibt den politik-fernen Schichten auch genügend Möglichkeiten sich „unterhalten“ zu lassen. Es ist auch Aufgabe der Politik, hier offene Gräben zu überspringen und politische Bildung zu vermitteln.

Die erste Nagelprobe könnten die olympischen Spiele 2014 in Sochi werden. Verschiedene Gegner der russischen Politik haben bereits Proteste angekündigt. Von Demonstrationen bis hin zu terroristischen Anschlägen werden Sportereignisse 2014 auch immer mehr zum „Kampfgebiet“ politischer Interessen http://www.focus.de/politik/ausland/pussy-riot-will-haeftlinge-unterstuetzen-punkband-saengerinnen-laesst-amnestie-kalt-neuer-kampf-gegen-putin-angekuendigt_id_3505304.html . Dies gilt auch für die FIFA Weltmeisterschaft in Brasilien.

2.) Mehr politische Inhalte in sozialen Medien und wenig Dialog
Die Chancen für Politiker ihre Botschaften direkt ins Wahlvolk zu bringen sind groß wie nie. Über Twitter, Facebook, Pinterest, Tumblr, Instragramm und Path kann der geneigte Politiker (oder sein Kommunikationsteam) Inhalte, wie auch auf der eigenen Homepage, unterbringen. Dass Politiker, wie auch 2013 sich nicht immer leicht darin tun, die neuen Möglichkeiten zu nutzen wird sicher bleiben (http://www.ndr.de/ratgeber/netzwelt/wahlkampf337.html) allerdings werden mit dem weiteren Absatz von Tablets und Smartphones immer mehr politische Inhalte über neue Empfangsgeräte nachgefragt werden. Zur Bildung und Festigung des eigenen Wählerstammes dienen die neuen Kanäle sicherlich. Klassische Foren und Portale, wie abgeordnetenwatch.de bleiben aber wichtig und nötig.

Dort werden auch politische Duelle ausgetragen und nicht nur die möglichst gleichen Meinungen über twitter oder Facebook mit „Gefällt mir“ organisiert. Ob und wie stark politische Duelle sichtbar werden liegt immer noch an der Qualität journalistischer Arbeit sowie dem Willen des/der politisch Interessierten der bewußt auch Gegenmeinungen zu seinen Nachrichten sucht und liest (https://www.bpb.de/dialog/netzdebatte/175079/wie-veraendert-das-netz-unsere-politische-kommunikation).

3.) Politiker wissen nicht mehr alles und gewinnen Glaubwürdigkeit
Unabhängig davon, dass die Wissensbasierung politischer Prozesse (siehe Internetüberwachung) massiv zunimmt, scheint sich die politische Kommunikation zu „enthierarchisieren.“ Die politische Kommunikation im Netz ist meist weniger förmlich, als die von Parlamentsdebatten. Gleichzeitig wirken Politiker, die Wissenslücken offen bekennen können, menschlicher. Der „kontrollierende Machtpolitiker“ wird damit stärker als „Mensch, wie du und ich“ wahrgenommen. Eine Kommunikationsstrategie, die besonders für den Kontakt zu Jungwählern wichtig ist http://www.youtube.com/watch?v=LPEzf0YdTOs . Hier kann wichtiges Vertrauen aufgebaut werden.

4.) Die NSA weiß viel und lernt schneller als die Politik
Digitale Kommunikationsprozesse über das Internet werden von der NSA weitreichend dupliziert und ausgewertet. Die, etwa durch den Spiegel, veröffentlichten Daten http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/interaktive-grafik-hier-sitzen-die-spaeh-werkzeuge-der-nsa-a-941030.html , zeigen drastisch, wie weit entwickelt die Verfahren des US-Geheimdienstes sind. Neben dem Spektrum der Abhörmethoden, zeigt die Schnelligkeit der NSA, dass es faktisch keinen „Ort“ im Internet gibt, der nicht von der NSA ausgeleuchtet und analysiert werden kann. Dieser „globale“ Anspruch der NSA schießt damit auch im Jahr 2014 deutlich über die Terroristenbekämpfung hinaus http://www.n-tv.de/politik/NSA-spioniert-Datenkabel-aus-article11987331.html. Gleichzeitig gilt es für die Zivilgesellschaft, sich mit den Verfahrensweisen der NSA zu arrangieren http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-12/30c3-nsa-methoden/seite-2. Insbesondere von der deutschen Regierung ist nicht zu erwarten, dass sie hinter ihrer „Neuland-Naivität“ hervorkommt und technische Begrenzungen für die Geheimdienstarbeit herausarbeiten wird http://www.golem.de/news/spionage-nsa-hackt-sich-in-firmware-und-ins-bios-1312-103618.html. Wenn es Einschränkungen für die US-Geheimdienste geben kann, dann nur durch den US-Supreme Court, also rechtliche Argumente. Die Politik wird damit auch 2014 betroffen dem Treiben der NSA zusehen. Privatsphäre gibt es im Internet weiterhin nicht.

5.) Neue Rahmenbedingungen politischer Öffentlichkeit
Bei fast 80% der deutschen Bevölkerung sind im Internet und damit potentielle Überwachungsopfer der NSA. Knapp die Hälfte der online gehenden Jugendlichen ab 14 Jahren nutzt sie, fast 90 Prozent von ihnen haben ein Profil bei “Facebook” (Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2013). Zahlen, die den neuen Ausschuss für Internetfragen auch in 2014 legitieren werden und Anstrengungen in der Onlinekommunikation nahe legen. Gleichzeitig wird es eine Aufgabe der Politik sein müssen, auf die Gefahren von Onlinekommunikation hinzuweisen, dafür müssen diese Wege (etwa in soziale Medien) aber auch genutzt werden. Die Sensibilisierung für die NSA-Aktivitäten wird 2014 einen Höhepunkt erreichen. „Neuland“ und Naivität der Politik sind gegenüber dem Wähler eine nicht zu haltende Position. Die Politik muss schneller lernen. Dass sie nicht so schnell ist, wird in 2014 deutlich werden und trotzdem muss die Politik Ihre Hausaufgaben im Bereich Netzpolitik besser erledigen.

(c) guerrero

Vernetzung oder Privatsphäre 2014.

Ein Plakat von Guerrero
(c) Guerrero

 

 

Links und Statistiken zum Internet und seinen Nutzern:
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157868/umfrage/anzahl-der-weltweiten-internetnutzer-nach-regionen/
http://www.worldometers.info/de/
http://www.internetworldstats.com/stats.htm

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