Welcher Politik können wir noch glauben?

Mitte der 90er Jahre setzte sich das Internet durch. Im Jahr 1998 endete die längste Kanzlerschaft in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschlands. Es sah nach Aufbruch aus. Rot-Grün und ein Kanzler, der selbst für seine Politik auch die eigene Partei spaltete. Die junge Generation wurde zu Digital Natives, konnte einen „Raum der Freiheit“ für sich nutzen und kreativ werden. Doch die angenommene „Unschuld des Internets“ endete mit Wikileaks und Assange, mit Snowden und den Praktiken der NSA. Die Kanzlerin nannte dieses Internet #neuland. Für vielebezog sich dieses „Neu“ auf das neue Wissen, zur Überwachung des Internets. Das Neue, die naive Hoffnung war schon länger gestorben und bezog sich nur noch darauf „nichts zu verbergen zu haben“. Dass im Internet Daten kopiert, beobachtet und überwacht werden, ist eine Selbstverständlichkeit geworden.

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Adorno

Die Generation der digital Natives und die NSA nutzen das Internet für berufliche und private Zwecke. Facebookfreunde und andere Zahlen, die das Internet erzeugt: Follower, likes etc. werden in Ihrer Bedeutung für das Leben maßlos überschätzt und doch versuchen viele sich der inneren Auseinandersetzung mit ihrem „digitalen Leben“ zu entziehen. Viele hätten gern ein naives Neuland und können auch diese Naiven natürlich Teil der Überwachung werden. Die NSA kann scheinbar kaum zwischen Terroristen und (patriotischen) Bürgern unterscheiden. Damit bleiben Folgen für beide Seiten. Die NSA muss um irgendwie Sicherheit über Ihre Daten zu gewinnen, noch mehr Daten überwachen und die Internetnutzer müssen sich fragen, ob Sie nicht, wie früher durch die Kulturindustrie des Fernsehens, ein Leben in völliger Unfreiheit führen müssen.

No-Spy und das Ende der unüberwachten politischen Kommunikation

Da wir alle offensichtlich ein Leben im Falschen führen, ist es schwer neue Optionen und Auswege zu skizzieren. Mögliche No-Spy-Abkommen könnten nur den politischen Regierungen helfen, sich gegenseitig nicht abzuhören. Dem geneigten Internetnutzer wird das nicht helfen. Da Geheimdienste alle „Internetausländer“ in den Fokus ihrer Überwaschungstellen, spielen nationale Grenzen nur rudimentär eine Rolle. Das Internet wird von der NSA global überwacht und selbst technisch aufwändige Überwachungsformen konnte die NSA schon vor Jahren gewinnbringend für sich nutzen.

Von Kultur zur Vaterlandsverteidigung

Daher hat Adorno damals von Kulturkritik geschrieben, heute ist es eine der „Terroristenabwehr“ oder des Schutzes des eigenen „Vaterlands“. Die Grenze zwischen Bürger und Terrorist ist dabei kaum zu ziehen. Jede Information könnte relevant sein und die NSA muss aus den erzeugten Daten auch noch logisch „Sicherheit“ herstellen. Wohl die größte Herausforderung aus „Big Data“ terroristische Netzwerke zu identifizieren und auch die eigene Rolle gegenüber der Politik als wichtigem Entscheidungsberater nicht zu gefährden. Die Politik glaubt dabei teilweise den eigenen Heimdiensten mehr als „befreundeten“ politischen Systemen (siehe Obamas Aussagen pro NSA und contra Zusammenarbeit mit der EU und Deutschland).

Und die Politik des_r kleinen Mannes_Frau?

Die massenmedialen Demokratien bauen in ihrer politischen Kommunikation klar auf Internetinformationen auf. Dass hier die NSA breitflächig mit überwacht verändert heute schon die Kommunikation von vielen Akteuren im Internet. Fraglich bleibt für viele Digital Natives und auch die politischen Institutionen, wie die Überwachung sich auf das eigene Kommunikationsverhalten auswirkt. Dass es keine Alternativen zum Internet gebe, beruhigt dabei nur die Wenigsten. Das System NSA und ihre „Beobachtung der Internet-umwelt“ ist vielen Internetnutzern zutiefst suspekt und verändert den „Glauben“ an eine Demokratie, die ohne beobachtetes Internet nicht auskommt. Es fehlt an Alternativen zu den jetzigen Prozeduren, so dass wir uns als Akteure des „schuld-suchenden NSA-Internets“ verstehen müssen. Die Unschuldsvermutung und die bürgerliche Freiheit wurden schon in einigen Schritten zuvor über Bord geworfen. Es ist die Frage, ob unser „neues Selbstverständnis“ unsere Rolle gegenüber der Politik verändert. Vielleicht werden auch einfach alle #Neuland und wir vergessen, die bei Seite geräumten Freiheiten. Die nationale Politik, kann Sie uns offensichtlich nicht zurückgeben.

Links
http://imgur.com/gallery/KvrelwI http://www.untergrund-blättle.ch/gesellschaft/niklas_luhmann_nachruf.html http://www.dietrichlensch.de/texte/oti/kontexts.html http://www.faz.net/aktuell/politik/zusammenarbeit-der-geheimdienste-vom-opfer-zum-taeter-12645342.html http://www.steff.de/netzsystem/netzsystem.htm http://differentia.wordpress.com/2013/11/01/apokalyptik-veroffentlichung-desunveborgenen/ http://www.faz.net/aktuell/morozov-antwortet-lobo-wir-brauchen-einen-neuen-glauben-an-die-politik-12752129-p4.html http://www.heise.de/extras/timeline/#vars!date=2013-06-13_19:25:00! Theodor W. Adorno: Minima Moralia (Gesammelte Schriften 4, Frankfurt/M. 1997, Seite 43)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s