Hoeneß Anerkennung des Urteils stärkt Recht und Medien.

Ein Kommentar zum „Fall Hoeneß“ aus Perspektive der politischen Kommunikation:

Bevor die politische Dimension des Verfahrens gegen Uli Hoeneß ausgebreitet werden kann, ist es wichtig, die Prozess oder Verfahrensebene zu betrachten, die in allen gesellschaftlichen Funktionssystemen vorkommt und durch die Reduktion von Komplexität Entscheidungen (und damit auch die Anerkennung oder Ablehnung von Entscheidungen hier durch Uli Hoeneß) erst möglich macht.

Hoeneß hat selbst entschieden und das Urteil anerkannt.
Uli #Hoeness hat sich mit der heutigen Anerkennung des Strafurteils schneller, als gestern noch zu erwarten, auf den Weg in die Steuer- und Strafgerechtigkeit gemacht. Er hat damit eine breite Öffentlichkeit überrascht, die nach der (in dieser Instanz) rechtlich misslungenen Selbstanzeige und der teilweisen „Selbstverteidigung“ von Hoeneß vor Gericht, Grund zur Erwartung haben konnte, dass Hoeneß nicht nur im wirtschaftlichen, sondern auch im juristischen Bereich (Funktionssystem) das „Zocken“ nicht werde lassen können.

Nun ist es anders gekommen und Hoeneß ist, aus Sicht der rechtlichen Verfahrenslegitimität und seiner Rolle als „Steuerunehrlicher“ einen letztlich bemerkenswerten Weg gegangen:

Die beiden „Hoeneße“ helfen der Person und dem Verein
Er hat heute nicht nur den Weg in die Steuerehrlichkeit angetreten, sondern auch gleichzeitig alle wichtigen Ämter beim FC Bayern abgegeben. Mit dem Eingestehen des eigenen Fehlverhaltens (was gestern so noch nicht zu sehen war), schützt er nun „seinen Verein“ vor weiterem Schaden, indem er seine Rolle als Manager von der der Privatperson Hoeneß mit seiner heutigen Erklärung öffentlich trennt.

Dieser Vorgang der Anerkennung durch den „Privatmann Hoeneß“ schützt letztlich das rechtsstaatliche Verfahren gegen Hoeneß vor, wie auch immer gearteten, Interpretationen (er wäre bevor- oder benachteiligt worden).

Hoeneß selbst hat das Strafmaß akzeptiert. Er hat nicht bis zum Ende nach einer , seiner anderen, „Verfahrenswahrheit gestrebt“. Dies ist im Sinne der Komplexitätsreduktion von Verfahren (und das Verfahren hat ja genug Steuerrechtsexperten beschäftigt) ein gutes Urteil mit einem „sich unterwerfenden Hoeneß“ (hier unterwirft sich aber nicht der „Bayern-Boss Hoeneß und das entlastet Verein und Hoeneß“).

Hoeneß rechtliche Anerkennung ist ein medialer Coup 
Diese Anerkennung des Verfahrens durch Hoeneß ist, wie immer man zu Uli Hoeneß steht, ein „Schritt in die richtige Richtung“. Und das ist gegenüber der kritischen Medienöffentlichkeit sehr viel Wert.

Wie die Politik den Fall bewerten und gestalten kann
Aus Sicht des politischen Systems und der in Ihr vorherrschenden politischen Kommunikation kann das als legitim anerkannte Verfahren kaum Kritik erfahren. Die rechtlich-politische Dimension lenkt nun von der Person Hoeneß zu Sachfragen, wie der Anerkennung von unvollständigen Selbstanzeigen. Diese Frage, sowie die allgemeine Frage, ob Selbstanzeigen komplett vor Strafe schützen dürfen sollten werden aber wohl schnell von der Tagesordnung verschwinden.

Der Fall Hoeneß dürfte anderen Steuersündern die eigene vollständige Steuerselbstanzeige nahelegen. Der mediale Druck war enorm. Da Hoeneß die Strafe direkt anerkannt hat, wird man annehmen können, dass an anderen Beschuldigte in ähnlichen Fällen womöglich ein noch höheres Maß an Transparenz in der Selbstanzeige bestellt wird. Die Medien werden den Fall Hoeneß als Messlatte in ähnlichen Fällen in Zukunft sicher heranziehen wollen.

Politische Kommunikation als Chance mediale und rechtliche Konfrontation zu verhindern 
Die Politik hätte die Chance diesen Bereich zu gestalten haben, wenn Sie es „verschläft“ werden die Justiz und die Medien weiter zu einigen „kritischen strukturellen Kopplungen“ kommen. Sei es die Frage, an die Leser welches Strafmaß Hoeneß verdiene. Diese Frage ist schädlich, da es ja offensichtlich genauso auch darum geht was Hoeneß anerkannt hat. Zweitens ist die Weiterleitung der Steuerdaten an die Öffentlichkeit ein krimineller Akt gewesen. Dieser hat offensichtlich die Rechte des nun verurteilten Uli Hoeneß verletzt. Die Aufgaben für die Politik sind geboten. Die Medien haben durch das Voranstreiben der Aufdeckung des Fall Hoeneß einen wichtigen Beitrag geleistet, der während des rechtlichen Verfahrens aber teilweise „auf der Kippe stand.“

Hintergrund:
Zur Bedeutung von Verfahren in der soziologischen Systemtheorie Niklas Luhmanns

„Verfahren sind in Niklas Luhmanns Verständnis Prozesse zur Produktion und Projektion von Systemvertrauen. Ihre funktionale Leistung besteht darin, den Weg zu einer Entscheidung vorzuzeichnen, ohne die Entscheidung selbst vorwegzunehmen. Sie kanalisieren Verhalten, eliminieren Alternativen, absorbieren Ungewissheit – in Luhmanns Standardformel eben: Sie reduzieren Komplexität.“

Links:
Schriftliche Urteilsannahme durch Uli Hoeneß: http://bit.ly/1m35TsN
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/stuttgart-21-was-heisst-legitimation-durch-verfahren-11054317.html
http://www.theorieblog.de/index.php/2014/02/komplexitaet-durch-verfahren-niklas-luhmanns-aktualitaet-in-der-finanzkrise/
http://epartners.ch/images/publications/jusletter_legitimation.pdf

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