Ökologische Kommunikation und die Koppelung von Wirtschaft und Politik

Am Beispiel der Debatte um Atomenergie sowie Umwelt- und Klimaschutz lassen sich mehrere wichtige Beobachtungen zur Rolle der Politik in modernen Gesellschaften machen:

Der Verlauf der Debatte ist eng mit der Gründung der Grünen als Partei verknüpft. Die emotional aufgeladenen Debatten und Demonstrationen haben immer wieder zu  Fragen nach der Sicherheit deutscher Atomkraftwerke geführt. Einige Störfälle sowie die Endlagerproblematik in Deutschland (sowie weltweit) haben gezeigt, dass die Politik, die Verantwortung für Atomkraft zwar teilweise auf sich nimmt. In Wirklichkeit aber nur eine Kontrollillusion erzeugt, indem immer wieder die Sicherheit der Atommeiler sowie das „berechenbare Restrisiko“ benannt wurden.

Die Atomkatastrophen von Tschernobyl sowie nun in der Präfektur Fukushima haben in der modernen Gesellschaft über verschiedene Diskurse in sozialen Netzwerken und der Öffentlichkeit zu einer breiten Neubewertung von Gefahren der Atomkraft in Deutschland geführt.

Die Reaktion der regierenden Parteien ist mit einem abrupten Kurswechsel hin zum Atomausstieg ein Beispiel für eine politische Zurechnung, in der ihr von der Gesellschaft nicht mehr die Kontrollkompetenz für einen Politikbereich (hier Reaktorsicherheit) zu gebilligt wird.

Die Koppelungen zwischen Politik und Wirtschaft, in der die Wirtschaft versucht sich durch Interessenvertretung stabile Rahmenbedingungen zu erarbeiten, werden so massiv in Zweifel gezogen. „Die Politik“ möchte zwar alle Probleme in Ihrem Zentrum diskutieren will, gleichzeitig wird aber auch in einer differenzierten Gesellschaft klar, dass Politik neben anderen gesellschaftlichen Funktionsbereichen steht und Umweltbedingungen ebensowenig voraussehen kann, wie etwa die Wirtschaft.

Politische Kommunikation muss diese Debatten in den verschiedenen Arenen von Social-Media-Netzwerken führen. Durch die Komplexität und Schnelligkeit dieser Kommunikationsprozesse geht auch hier „Kontrollmöglichkeiten“ der Politik verloren. Umweltschutz und Klimawandel müssen in den jeweiligen Systemlogiken und Verbreitungskanälen verarbeitet werden und führen NICHT zum gleichen Bild von Umwelt und Klima. Es ist Aufgabe der Politik trotz dieser nebeneinanderstehenden Konstruktionen Verfahren zu entwickeln, die zu nachvollziehbaren Debatten und Beteiligungsverfahren führen.

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