Des relations franco-allemandes – avec le cœur et l’esprit

Es war ein strenger Wintertag in Paris, als am 22.Januar 1963 die deutsch-französische Freundschaft zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern im Élysée-Palast eine vertragliche Grundlage fand. Eine Vernunftsehe, die Kanzler Adenauer und Staatspräsident de Gaulle hier unterzeichneten. Nach zwei verheerenden Weltkriegen und

der sich manifestierenden Teilung Europas freundeten sich Deutschland und Frankreich langsam an.

Heute über 50 Jahre später ist dieser Freundschaftsvertrag ein „Motor der europäischen Einigung“ geworden. Die Beziehungen zwischen Frankreich und dem wiedervereinigten Deutschland sind, durch Schüleraustäusche, Erasmus, Stipendien und Kulturinstitutionen (wie dem Goethe-Institut), vielen Bürgern nahe gebracht worden. Nicht wenigen ist das Nachbarland eine Herzensangelegenheit geworden. Zeit mir selbst die Frage zu stellen, was nun die deutsch-französischen Beziehungen ausmacht? Was dominiert? Das Herz oder die Vernunft?

Der erste Kontakt mit Paris in der Schulzeit

Ich kam im Jahr 1998 das erste Mal nach Paris. Genauer gesagt Noisy-le-Grand, einem dieser unendlich vielen Vororten von Paris. Meine Gastfamilie war sehr freundlich und zeigte mir viele touristische Plätze. Ich war schnell fasziniert von Paris, allerdings mehr von diesem hervorragenden Nahverkehrsnetz, als davon, dass Paris die „Stadt der Liebe“ sein könnte. Prägend war für mich damals ein Bowling-Abend mit Dan, meinem Austauschschüler, und seinen Freunden. Während wir die Hölzer fielen ließen, fragte ich viele dieser „Parisien“, wie ihnen das Leben hier gefalle. Kurz gesagt: Viele wollten aufs Land; Paris sei einfach sehr stressig. Was sie meinten verstand ich erst zehn Jahre später, als ich mich zum Studieren für die Sciences Po einschreiben konnte.

Das kompetitive Studium an der Sciences Po

Es war für mich eine Herzensangelegenheit wieder nach Paris zu kommen. Zehn Jahre später traf ich an der Grande École im Masterstudium „Affaires éuropéennes“ viele internationale Studenten und eben jene französischen Elitestudenten, die den Concours, das strenge Auswahlverfahren, geschafft hatten. Diese Franzosen waren damit auf dem besten Weg waren, einen Platz in hervorragenden Positionen in Unternehmen oder Verwaltung einnehmen zu können. Die Sciences Po ist in Frankreich bekannt, oft wird damit auch mit Egoismus und Ausgrenzung verbunden. Das konnte so weit gehen, dass Autofahrer durch die Rue St. Guillaume in Paris fuhren und die Studierenden mit Wasserflaschen bespritzten. So etwas wäre in Deutschland kaum denkbar. Das Studium an der Sciences Po in Paris war sehr hart, auch weil die Studierenden ihre Noten immer im Verhältnis zu den anderen Studierenden erhielten. Gleichzeitig wurde mein Master fast nur auf Französisch unterrichtet, damit stiegen die Anforderungen an die internationalen Studierenden nochmals. Es war ein Verdrängungswettbewerb, den manche Franzosen auch nicht in der Freizeit ablegen konnten. Freundschaften knüpfte ich so vor allem zu den internationalen Studenten.

Die liebenswerte Metropole Paris

Das kulturelle Angebot in Paris ist natürlich wunderbar. Die Millionenmetropole kann eine sehr romantische Stadt sein. Manche kleinen Gassen lassen vergessen, in einer der größten Metropolregionen der Welt zu sein. Allerdings muss man sich – trotz Weltstadt- darauf einstellen, dass viele Franzosen kein Englisch sprechen (möchten). Gleichzeitig belasten die Kosten für Miete und den täglichen Konsum doch das studentische Budget. Ich konnte für 300€ für 10qm2 auf den Eiffelturm schauen. Damit hatte ich (im 6.Arrondissement), trotz 6.Stockwerk ohne Aufzug, Glück. Natürlich geht es in anderen französischen Städten deutlich günstiger. Die Liebe zu Paris geht damit immer auch durchs Portemonnaie.

 

Die spannende Arbeit im „Europahaus“ in Paris

Nach dem Studium machte ich noch ein Praktikum, bei dem Europabüro; hier war die Atmosphäre herzlicher, so dass sich nach der Studienzeit der ernüchternde Blick auf Paris und seine Elite wieder aufhellte. Das „Maison de l’Europe“ bietet für Kinder und Jugendliche viele Bildungsangebote zu Europa an. Ich hatte die Chance eine Gruppe von Franzosen, deren Wurzeln im Maghreb lagen, auf einen Trip nach Berlin vorzubereiten. Das war ein Gegenentwurf zum Elitismus meines Studiums, gleichzeitig war es schön die Einheit Berlins und die Europas mit dem Fall der Mauer erklären und diskutieren zu können. Je mehr Facetten der französischen Gesellschaft ich traf, je schöner wurde das Land.

Französische Wirtschaft und politische Intervention

Nach meinem Campus-Praktikum bei der Commerzbank wechselte ich zum Fraunhofer IWES. Der Standort in Bremerhaven wird von vielen internationalen Konzernen, wie auch Areva aus Frankreich, im Bereich Windenergie als Produktionsstandort genutzt. Fraunhofer IWES bietet diesen Firmen Forschungsdienstleistungen an. Areva hat ein breites Portfolio von Erneuerbaren, wie Wind, bis hin zu, in Frankreich noch politisch subventionierten, Atomkraftwerken. Hier fehlt, trotz guter Zusammenarbeit immer noch eine an europäischen Zielen orientierte Zusammenarbeit. Hinzukommt, dass Staats- oder staatsnahe Konzerne in Frankreich immer auch unter „politischem Einfluss“ stehen. Diese Versuche zur Etablierung „wirtschaftlicher Kontrolle“ scheinen auch wegen mangelnder Expertise wenig aussichtsreich. Die Grundlage liegt für politische Interventionen in wirtschaftliche Prozesse liegt auch im beschriebenen Elitenbildungssystem in Frankreich. Dadurch werden auch gesellschaftliche Gruppen, wie Einwanderer, diskriminiert. Allerdings in der Politik stark verankert ist und wird von dort gestützt. In Deutschland sind diese „Verfahren, zur Herstellung von Elite“ weniger ausgeprägt. Die Politik versucht außerdem nicht die wirtschaftlichen Entwicklungen zu steuern.

Warum es gut ist, ein Herz für Frankreich zu haben,…

Ich habe als Umweltdezernent Bremerhavens regelmäßigen Austausch zu unserer Partnerstadt Cherbourg-Octeville – einer kleinen Hafenstadt nahe dem Ärmelkanal. Die Stadtregierungen besuchen sich zwei Mal im Jahr. Mir wurde aus Cherbourg von den Kommunal- und auch den Europawahlen berichtet, in denen die rechts-populistische Partei Front National von Marie le Pen landesweit teilweise katastrophal hohe Gewinne verzeichnete. Die etablierte politische Elite hat viel Vertrauen in der Bevölkerung verloren. Gleichzeitig wir, aus meiner Sicht, deutlich, dass Frankreich politische Reformen nachholen muss. Diese werden die Französinnen und Franzosen wiederum zu harten Zugeständnissen zwingen. Die aktuelle Reaktion vieler französischer Wähler_innen mit der Wahl radikaler Parteien, erschwert den politischen Einigungsprozess zusätzlich.

Was Frankreich Deutschen bietet

Trotz der derzeitigen Stärke Deutschlands erscheint es mir wichtig, dass Deutschland Frankreich nicht wirtschaftlich und politisch abhängt. Die (politische) Vernunft sagt, dass beide Nationen nur zusammen am Stärksten sein können. Ich empfehle wärmstens Frankreich zu besuchen und auch vom exzellenten Hochschulsystem der Grands Écoles zu profitieren. Die Sprache ist immer noch eine der wichtigsten in der Welt. Es macht Spaß Paris oder andere französische Städte und ihre Menschen kennen zu lernen. Gerade Fast-Food-Freunde können in Frankreich lernen sich Zeit fürs Essen zu nehmen.  „Vive la France“!

Der Artikel erschien auch im Campus of Excellence Magazin, Ausgabe 10, Okt 2014

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