Politische Inhalte, blank gezogene Bilder und Instagram

Politik braucht Bilder. Die Merkelraute, die Schlandkette, aber auch den Kniefall von Warschau, den 11. September oder Fukushima. Die Bilder rennen dem textlichen Verständnis voraus. Wir sehen immer mehr Bilder, auch weil wir selbst immer mehr Bilder erzeugen und diese immer einfacher und schneller teilen können.

Instagram und die Politik

Instagram ist ein Dienst, der genau diesen Tausch und das Kommentieren von Bildern in den Mittelpunkt stellt. Hier spielen gesuchte Schlagworte, wie „cute“ oder „sweet“ eine enorme Rolle. Politische Inhalte sind hier, wie auch in anderen sozialen Netzwerken eher Randnotizen. Natürlich teilen Parteien und Kandidaten politische Inhalte, auch auf Instagram. Aber ein Dialog (vom dem die Politik ja lebt) kommt nur selten so zustande.

Politische Profile sind schwerpunktmäßig auf Facebook und Twitter zu finden. Die „reine Bildsprache“ fällt der Politik noch schwer. Auch, weil viele politische Inhalte sich nicht auf ein Bild oder ein Zitat auf einem Bildhintergrund herunterbrechen lassen. „Politische Inhalte sind zu komplex“ könnte man konstatieren. „Ja, aber es wird auch nicht konsequent versucht, sie über soziale Medien anzubieten“ könnte der geneigte Kommunikationswissenschaftler sagen. Wenn der Aufwand für einzelne Wählerstimmen in der Bilderflut verloren zu gehen scheint, ist es irgendwann auch einmal einem „Meinungsmacher“ zuviel. Der Aufwand wird wegen „zu geringem Ertrag“ eingestellt.

Blank, konservativ und was geht darüber hinaus?

Eine dänische Politikerin (Nikita Klæstrup), hat sich nun ihrer Bilder bedient, um sich (politisch) über Instagram und Imgur in den Mittelpunkt zu stellen. Ihre auf Facebook geäußerte Überraschung, dass ihr nun auf Instagram über 500 neue Follower beschert wurden; „vor allem Fremde“, mag ein Hinweis darauf sein, dass die 20-jährige die Wucht ihrer „blank gezogenen Bilder“ (ob mit oder ohne Photoshop) unterschätzt haben könnte. Wirklich geplant scheint die „Kampagne“ nicht zu sein, da es schwer ist, von Nikitas Social Media Profilen auf ihre Homepage oder zur Seite der konservativen Partei zu kommen. Ihren Bildern nach zu urteilen, wäre die liberale Partei auch eine gute Heimat für die schöne Dänin.

Die Randnotizen um das Bild herum – Politik und nackte Tatsachen

Ob nun Instagram ein politisches Medium sein kann, oder nicht, greift in diesem Fall sicher zu kurz. Wichtiger wäre der Hinweis an dänische Politikstrategen, die Bilder der 20-jährigen stärker an politische Texte zu binden. Praktisch heißt das, dass das Hochladen der Bilder auf Imgur oder Flickr unpolitische Spannerei schafft, aber keinerlei politische Botschaft beinhaltet. Bei Instagram können diese Botschaften an das Bild gebunden werden. Es ist aber bezeichnend, dass Frau Klæstrup über Facebook kommuniziert, dass ihr Instagram Profil belagert wird. Hier geht es doch mehr um Follower-Zahlen, als um wirklichen Dialog.
Dass deutsche Express-Blätter die Dänin als schönste Politikerin der Welt feiern, ist sicher keine politische Schlagzeile, sondern eine Oberflächlichkeit. Es wäre spannend zu sehen, ob Nikita Klæstrup in Zukunft noch politische Schlagzeilen macht, bei denen Sie Fotos von Verhandlungstischen auf Instagram hoch lädt.
Links
http://imgur.com/a/knGCv
https://www.facebook.com/HamburgerWahlbeobachter?fref=nf
http://www.mx.dk/dagensq/meninger/story/21362569

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